Wie Du loslassen kannst

„Lass mal los!“


Und da ist es wieder, dieses Wort: Loslassen.

Ist es für Dich ein Zauberwort oder ein Wort, das keiner braucht?


Ich gebe es zu, diese Aufforderung, loszulassen, macht mir immer Angst. Angst, vor dem was kommt, wenn ich den Platz freimache. Angst davor, aus meiner Komfortzone zu müssen. Angst davor, mir einzugestehen, dass ich etwas nicht kann und Hilfe brauche.

Hand hoch, wenn Du diese Gedanken auch kennst.


Loslassen bedeutet für mich tatsächlich etwas in meinem Leben gehen zu lassen. Für Neues Platz machen. Raum zurück gewinnen.

Das geht von alten Pullis aus meinem Kleiderschrank über Überzeugungen bis hin zu Menschen. Wenn Du jetzt denkst, dass es hier Unterschiede im Loslassen gibt, gebe ich Dir absolut recht. Jede Situation ist anders und wir gehen individuell damit um. Oder doch auch nicht? Was ist mit den Mustern, in denen wir handeln? Wann können wir wirklich gut loslassen?


Loslassen: Ein Zauberwort!

Diese Fragen habe ich mir in letzter Zeit gestellt und für mich ist aus dem Wort „Loslassen“ ein Zauberwort geworden. Warum erfährst Du gleich. Ich erzähle Dir dazu eine Geschichte.


Meine Oma ist sehr krank. Sie ist eins meiner Vorbilder. Sie war die Frau mit der Superkraft schlechthin. Sie arbeitete, versorgte die Familie und ihre Mutter und hörte mit allen Sinnen zu. Die Gespräche mit ihr waren quasi meine ersten Coaching-Sitzungen, ohne dass ich es wusste. Denn sie hat nach verborgenen Gedanken und Gefühlen gefragt und immer viel in mir in Bewegung gesetzt.


Und heute ist sie sehr krank und all die Superkraft Geschichte. Leider ist sie kaum noch ansprechbar. Und ich wohne nicht mehr um die Ecke, um jederzeit zu ihr fahren zu können. Du wirst verstehen, dass mich das belastet. Dazu kommt, dass ich nichts gern dem Zufall überlasse und gern die Kontrolle behalte und für alles Pläne mache. Kann ich hier aber nicht. Denn es liegt nicht in meiner Hand oder meiner Macht, was mit ihr passiert.


Stell Dir vor: Da sitze ich nun in meinem Zwiespalt zwischen eigenem Leben organisieren und Oma besuchen zu wollen. Das schlechte Gewissen nagt an mir. Weil ich nicht da bin. Mich vielleicht irgendwann nicht mal mehr verabschieden kann.


In meinem Kopf kreisen Gedanken, aber lösen können die mein Dilemma auch nicht.

Was geholfen hat? Ein Coaching! Ich habe mich von einer anderen Coach begleiten lassen. Mich darauf eingelassen und alles ausgesprochen, was mir durch den Kopf ging. Dadurch habe ich erkannt, wie ich damit umgehen kann, was ich will, dass Zeitreisen (zu meiner Super-Oma in meinen Erinnerungen) jederzeit möglich sind und habe so das schlechte Gewissen in einen neuen Plan gewandelt. Und wie Du jetzt weißt, liebe ich Pläne. Das ist natürlich ein Plan, der funktioniert, denn er kalkuliert das Unvorhersehbare, meine persönlichen Zeitreisen und immer wieder kleine Abschiede mit ein. Was aber noch wichtiger ist: Meine Akzeptanz der Situation. Ich habe durch das Coaching akzeptiert, dass ich die Kontrolle nicht habe und nicht 24/7 da sein kann. Leicht was es nicht und na klar tut es weh, aber es befreit auch. Was ist, ist und es geht nicht weg, weil ich es so will.


Und da bin ich beim Loslassen. Loslassen bedeutet für mich, zu akzeptieren, was ist, zu vertrauen und mutig zu sein. Genau das macht es für mich zu einem Zauberwort.


Was braucht es zum Loslassen?

Aus meiner Sicht braucht es dafür, dass wir uns selbst gut kennen und ehrlich zu uns selbst sind. Vor allem ist es wichtig, unsere Bedürfnisse und Wünsche zu kennen. Kennst Du Deine? Und kommst Du ihnen nach? Es geht bei Essen und Trinken los und hört bei Selbstverwirklichung auf. Ich habe dazu hier schon mal einen Blogartikel geschrieben. Welches Deiner Bedürfnisse leidet, wenn Du loslässt?


Um loslassen zu können, brauchen wir z.B. das Gefühl von Sicherheit. Wenn wir uns sicher fühlen, können wir Bäume ausreißen, oder? Und Vieles zulassen.

Aber, wenn wir Platz für Neues machen sollen, heißt das auch, etwas von der altbekannten Sicherheit aufzugeben und einen Schritt aus der Komfortzone zu machen.

In jedem Fall entscheidest Du, was Du damit machst. Lässt Du los oder hältst Du fest? Es ist Deine Entscheidung. Sich nicht zu entscheiden, ist übrigens auch eine Entscheidung.


Um loslassen zu können, brauchen wir das Vertrauen darauf, dass alles gut werden wird und wir aus Tälern wieder auf Berge steigen können. Jetzt wirst Du vielleicht denken: „Ja, aber, wie kannst Du das, wenn Du weißt, dass Deine Oma so krank ist?“ Sicher, das ist eine sehr schwierige Situation, aber ich vertraue darauf, dass ich das schaffen kann. Ich bin auch nicht allein damit. Was mich dazu führt, dass Du Dich mit Menschen umgeben solltest, die Dich beim Loslassen unterstützen können. Oder ihr lasst gemeinsam los.


Loslassen heißt auch Grenzen zu ziehen und für Dich und Deine Bedürfnisse einzustehen. Klingt logisch oder?


Loslassen geht nicht in fünf Minuten, sondern braucht Übung.

Ich übe mich im Vertrauen. Da hilft zum Beispiel ein tägliches Journal. „Ich vertraue auf mich und meine Entscheidungen“ ist so ein Satz, den täglich in mein Buch schreibe. Hierbei kommt es auf das tatsächliche Schreiben an. Mit Stift und Papier. Probier es gern aus. Nach ca. 60 Tagen ist der Satz in Dir angekommen und Du wirst daran glauben. Und wenn Du daran glaubst, gehst Du anders mit Dir und Deiner Umwelt um.


Du kennst sicher Situationen, die unaufgelöst enden und die Dich noch eine Weile später beschäftigen? Wir brauchen Enden und Abschiede. Wenn Du loslässt, empfehle ich Dir Abschiede ganz bewusst zu zelebrieren. Du kannst sie feiern oder in kleinen Ritualen durchführen. Es fällt uns im Allgemeinen leichter, wenn wir das aktiv tun, da wir dann wissen, dass etwas beendet ist und Neues beginnen kann.


Du willst loslassen?

Was wäre ein erster kleiner Schritt, um zu akzetieren, was ist?

Was wäre ein erster kleiner Schritt, um Platz für Neues zu machen?

Was brauchst Du, um darauf vertrauen zu können, dass Du aus Tälern wieder auf Berge steigen kannst?


Schreib mir gern Deine Gedanken zum Loslassen an info@guterzustand.de.


Deine Anne