Die Phasen einer Veränderung

Wir alle kennen die kleinen und großen Veränderungen in unseren Privat- und Berufsleben.

Doch wusstest Du, dass wir dabei bestimmte Phasen durchlaufen?

Die Veränderungskurve

Nach K. Lewin und E. Kübler-Ross

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Erst kommt der Schock oder Überraschung. Wir sind mit unter fassungslos und vielleicht auch erstarrt.

Dann macht sich Widerstand und Ärger breit. Wir wollen diese Veränderung NICHT! Wir wollen unter allen Umständen daran festhalten, wie es momentan ist und mobilisieren alles, um zu zeigen, dass es gut so ist, wie es ist.

Doch dann…! Die Erkenntnis! Aller Widerstand hilft nichts. Die Veränderung kommt. Und nun? Das ist die rationale Einsicht. Hier fühlen wir uns oft machtlos und haben zwar erkannt, dass die Veränderung eintritt. Und gleichzeitig haben wir noch nicht erkannt, dass auch wir uns dadurch den neuen Gegebenheiten anpassen müssen.

Wir durchlaufen das „Tal der Tränen“ mit Wut, Trauer und einem Gefühl der Ohnmacht und erkennen, dass es keinen Weg zurück gibt. Wir haben alles versucht und müssen nun Abschied nehmen vom „Alten“ und vertrauten.

Jetzt folgt der Weg raus aus dem Tal. Wir richten unseren Blick auf das Neue, denken an die Zukunft und probieren einfach aus.

Wir probieren solange, bis das Neue Alltag für uns geworden ist und wir uns gar nicht mehr an den Zustand davor erinnern können.

Dieser Weg ist natürlich nicht linear. Wir drehen auch mal mehrere Runden wie auf der Achterbahn, bis wir bei der Integration in unseren Alltag angekommen sind.

Um eine erfolgreiche Integration zu erreichen müssen alle Phasen erlebt werden. Ein Überspringen ist nicht möglich.

Das Phasenmodell basiert auf dem 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin. Dieses Modell ist zweidimensional gestaltet. Die horizontale Achse steht für die Zeit, denn jeder Veränderungsprozess bedarf seiner Zeit. Die vertikale Achse beschreibt die individuell wahrgenommene Kompetenz, die in den sechs Phasen unterschiedlich hoch erlebt wird.

Das Modell ist universell und lässt sich auf Prozesse von Einzelpersonen ebenso anwenden wie auf jene von Organisationen.


Bist du mitten in einer Veränderung? Wenn Du auf die Kurve schaust: Wo stehst Du gerade? Wenn sich die Veränderung in Deiner Organisation abspielt: Wo stehst Du da? Wo stehen Deine Teammitglieder? Wo steht Dein Team insgesamt? Hängt jemand in einer Phase fest oder ist jemand an einer bestimmten Stelle ausgestiegen?

Auf diese Weise kannst Du dieses Modell für Dich zur Reflexion oder - wenn Du Führungskraft bist - zur Moderation und Organisation von Veränderungsprozessen nutzen.

Nutzt Du es zur Reflexion, dann erinnere Dich an einen Veränderungsprozess und frage Dich:

  • Wann war ich in welcher Phase?
  • Habe ich Schleifen gedreht und bin zu früheren Phasen zurückgekehrt?
  • Was hat mir geholfen, um aus dem Tal der Tränen herauszukommen?
  • Welche meiner Fähigkeiten haben mich durch den Veränderungsprozess getragen?
  • Wer hat mich am Ziel erwartet?
  • Wer hat mich begleitet?
  • Was habe ich aus diesem Prozess gelernt?
  • Was hast Du aus den Momenten des Scheiterns gelernt?

Die Phasen der Veränderung werden je nach der Art der Veränderung und der Persönlichkeit des/der Betroffenen sehr individuell erlebt. In gemeinsam zu gestaltenden Prozessen in Organisationen führt das beispielsweise dazu, dass ein unterschiedliches Tempo bei den verschiedenen Personen oder auch Gruppen beobachtet werden kann.


Ich habe noch ein weiteres Modell für Dich:

Die Wandeltriade

In jedem Veränderungsprozess gibt es drei Perspektiven:

Bewahren-Innovieren-Optimieren

Jedes davon hat seine Berechtigung und seinen Sinn. Du kannst diese Triade in Deinen Prozessen nutzen, um die Veränderung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und damit alle wichtigen Aspekte zu beleuchten.

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Bewahren

Vielleicht kennst Du das: Es gibt endlich eine tolle Veränderung bei der Arbeit, die lange überfällig war. Du hast gerade davon gehört und bist Feuer und Flamme, Deine anderen Kolleg*innen auch. Doch da meldet sich wieder diese eine Stimme, dieser eine kritische Mensch und mosert herum. Ein Miesepeter! Die Stimmung trübt sich.

In meiner Zeit als Führungskraft habe ich häufig Veränderungen mit verschiedenen Teams besprochen und immer gab es diese ein Kollegin, die ihr „Dagegen“-Schild hoch hielt und auch mal Türen-knallend den Besprechungsraum verließ, wenn die übrigen Kollegen und Kolleginnen mir zustimmten und mit mir die nächsten Schritte planten. Ich dachte lange Zeit, ich wäre eine schlechte Führungskraft oder Kollegin, weil ich Veränderungen meist gut und hilfreich fand und nicht verstehen konnte, was die Kollegin denn hätte. Es ärgerte mich, dass sie offenbar nicht mitziehen wollte.

Bis ich im Coaching saß! Ja, auch ich hatte und habe auch weiterhin Coaching-Sitzungen.

Als also eines Tages die besagte Kollegin mal wieder die Türen knallte und wutentbrannt in ihr Büro stampfte, beschloss ich diese Situation im Coaching zu thematisieren. Durch die Fragen, die mir mein Coach stellte, erkannte ich, dass Widerstände im Prozess normal und wichtig sind.

Folgende Fragen wurden mir gestellt:

  • Wovor schützt der Einwand des „Miesepeters“ unser/mein Team?
  • Was läuft so gut, dass wir es auf keinen Fall „über Board werfen“ dürfen?
  • Auf welche fehlenden Informationen macht „mein Miesepeter“ aufmerksam?
  • Welche Ängste liegen der Reaktion vielleicht zu Grunde?

Wahnsinn, dachte ich während ich die Fragen beantwortete, wie wichtig! Und wie großartig, dass es „meinen Miesepeter“ gibt.

Innovieren

Vielleicht ging es Dir auch schon mal so: Du bist in eine neue Abteilung oder in ein neues Team oder auch auf eine neue Stelle gekommen und merkst relativ schnell: Das muss Neu! So wie jetzt kann das nicht bleiben!

Die zentrale Frage hier lautet: Was läuft so schlecht, dass wir es auf jeden Fall „über Board werfen“ dürfen?

Sicher gibt es Notwendigkeiten, bestimmte Dinge zu erneuern, aber frage Dich zuvor:

  • Was und wem nützt die Idee? Nur Einzelnen oder allen, die davon Betroffen sind?
  • Welche Emotionen spielen bei der Umsetzung der Idee eine Rolle und wie gravierend wäre die Neuerung für diejenigen, die das Bisherige bewahren möchten?
  • Habe ich alle Informationen oder brauche ich noch welche, um meine Idee einzubringen?

Optimieren

Das ist die dritte Sichtweise.

Ich habe sie oft im Ohr, diese kleine Optimier-Frau in mir. Beruflich und privat. Und manchmal schreit sie ganz schön laut, wenn ich sehe, was alles besser gehen könnte.

Aber sie weiß auch Altbewährtes zu schätzen und möchte es nicht - wie beim Innovieren - vollständig über Board werfen.

Hier frage Dich:

  • Was läuft schon ganz okay, sollte aber verbessert werden?
  • Welche Gründe sprechen für die Verbesserung?
  • Welche Informationen brauchen wir/ brauche ich noch?


Du bist von einer Änderung betroffen und weißt nicht, wie Du damit zurecht kommen sollst?

Du fragst Dich: Was, wenn die Kollegen mich auslachen, wenn ich scheitere?

Wie soll ich das schaffen?

Andere haben kein Problem damit. Warum geht das nur mir so?

Du hast Dich wiedererkannt? Bevor Du Dich jetzt schlecht fühlst und aufgibst, habe ich ein paar Tipps für Dich:

Bewahre die Ruhe 
  • atme durch
  • schlafe eine Nacht drüber 
  • fokussiere Dich auf mindestens drei tolle Dinge, die Dir an diesem Tag auch passiert sind und schreibe sie auf
Finde Deine Kraft, indem Du Dich fragst:

  • Wann habe ich eine ähnliche Veränderung erlebt?
  • Wie ist es mir gelungen, sie zu meistern?
  • Welche Fähigkeiten habe ich, die mich unterstützen können?

Erinnere Dich an Deine Erfolge und beantworte folgende Fragen

  • Was hast Du aus den Momenten des Scheiterns gelernt?
  • Was hast Du gemacht, um aus einem Tal wieder auf einen Berg zu gelangen?
  • Welche bedeutsamen Erfolge hast Du erzielt?

Suche Dir Hilfe und Unterstützung

  • Welche Informationen brauchst Du noch?
  • Wer unterstützt Dich?
  • Was kannst Du von den anderen oder Deinen Kolleg*innen lernen, die mit der Veränderung gut zurecht kommen?

Schreibe jeden Tag in Dein Journal

  • Was ist mir heute in Bezug auf die Veränderung gut gelungen?
  • Was ist mir heute Tolles passiert?
  • Was möchte ich morgen besser machen?

Bei Fragen melde Dich gern bei mir.

Viel Erfolg bei allen anstehen und schon laufenden Veränderungen! 

Liebe Grüße

Anne